Stillst du noch?

Diese Frage wird mir in letzter Zeit vermehrt gestellt. Seltsam ist es schon, dass sich so viele für meine Brust interessieren. Und wenn ich mit „Ja“ antworte und das immer ehrlich, ist das Gespräch meist auch schon beendet. Es bleibt ein Gefühl zurück. Dieses „noch“ in der Frage ist eines zu viel.

Unser Sohn ist nun rund 18 Monate und ich stille ihn hauptsächlich zum einschlafen und in der Nacht bzw. frühen Morgenstunden. Es ist ihm unglaublich wichtig und er liebt es, kommt dabei spürbar zur Ruhe. Ich habe mich viel mit dem Thema Stillen beschäftigt und so viele Meinungen wie Menschen dazu gehört. Dabei sollte das Thema eigentlich keines sein, denn gibt es etwas natürlicheres als sein Kind zu stillen. Schaut man sich in der Natur um, merkt man ziemlich schnell wie selbstverständlich es für uns bei Tieren ist und sich dort auch niemand mit dessen Stilllänge beschäftigt. Oder warum sollen wir auch? Bei uns wird es thematisiert und je mehr es das wird, umso mehr bin ich der Meinung muss man seine Meinung dazu vertreten. Lasst jeden machen was er will und für richtig hält. Ich bin ein Befürworter des Stillens und auch des Langzeitstillens. Auch wenn ich dieses Wort unmöglich finde, denn warum gibt es das überhaupt? Jemand der länger stillt als ein, zwei oder womöglich vier Jahre wird als seltsam, Alternativ oder nicht bei Trost gewertet. Dabei ist laut WHO mindestens ein Jahr empfohlen und bei Menschenkindern, gemessen an ihrer Lebenserwartung, zwei bis sechs völlig normal. Zumal sich ein Kind auch abstillt, wenn es den Zeitpunkt selbst entscheiden kann. Jedes Kind, jede Mutter und jede Mutter-Kind-Beziehung ist völlig unterschiedlich und keiner gleicht dem anderen. So ist es doch auch verständlich, dass jeder wann anders das Stillen beendet. Und zwar in einem gemeinsamen Einverständnis. Es muss für beide passen, schließlich gehören zwei dazu.

Jeder der diese Frage also stellt, sollte immer im Hinterkopf haben, was das beim gegenüber anrichtet oder was einem überhaupt eine Antwort bringt. Schließlich frage ich auch nicht, ob jemand immer noch versucht ein Kind zu bekommen oder noch dieses oder jenes private tut?

Ich wünsche mir allen Stillenden da draußen mehr Gelassenheit, ein Lächeln für jede stillende Mutter die man sieht und Anerkennung für den großartigsten und selbstverständlichsten Job der Welt. Ihr seid tolle Mamas!

Und hoffentlich lese ich bald weniger Artikel über Mütter, die sich nicht mehr trauen außerhalb der eigenen vier Wände zu stillen, weil das Kind über ein, zwei oder vier ist. Sich auf eine Toilette verkriechen und sich dafür genieren. Bitte tut das nicht! Es ist an der Zeit etwas zu verändern. Schließlich sollte doch das längst angekommen sein in unserer Kultur.

Foto: Kora Polster / pixelio

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